BEDNARZKI INSZENIERT „TSCHERNOBYL. CHRONIK DER ZUKUNFT“ // ALANUS-ABSOLVENT SCHNELL IM INTERNATIONAL BESETZTEN ENSEMBLE DABEI

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Elzbieta Bednarzska, bis 2008 Professur und Leitung des Fachbereichs Schauspiel an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn, bringt das Buch der Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ in Berlin auf die Bühne. Premiere ist am kommenden Freitag, 14. Januar um 19 Uhr im ehemaligen Frauengefängnis SOETH.7 in der Söthstr. 7 in 12203 Berlin-Lichterfelde.

Die weißrussische Autorin gilt als eine der wichtigsten Zeitzeuginnen der postsowjetischen Gesellschaft. Über viele Jahre hat sie mit Menschen gesprochen, für die die Katastrophe von Tschernobyl zum zentralen Ereignis ihres Lebens wurde. Entstanden sind eindringliche psychologische Porträts, die ungeheure Nähe zu den Betroffenen aufbauen und von höchster Sensibilität und journalistischer Perfektion zeugen. Das Erlebnis der Tschernobyl-Katastrophe ist, so Swetlana Alexije¬witsch, etwas, »wofür wir noch kein System von Vorstellungen, noch keine Analogien oder Erfahrungen haben, … wofür nicht mal unser ganzes inneres Instrumentarium ausreicht.«
Die Inszenierung von Elzbieta Bednarska versteht sich als Beitrag zu Hans Jonas‘ Forderung nach einer Heuristik der Furcht: „Je dunkler die Antwort, desto heller gezeichnet die Verantwortung. Und je weiter noch in der Zukunft, je entfernter vom eigenen Wohl und Wehe und je unvertrauter in seiner Art das zu Fürchtende, desto mehr müssen Hellsicht der Einbildungskraft und Empfindlichkeit des Gespürs geflissentlich dafür mobilisiert werden: eine aufspürende Heuristik der Furcht wird nötig.“
Das Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ ist die Inspirationsquelle der künstlerischen Arbeit eines international besetzten Ensembles aus Schauspielern und Musikern. Unter ihnen auch Richard Schnell, der 2009 zu den Alanus-Schauspielabsolventen zählte In einem mehrwöchigen gemeinsamen Probenprozess wurde die theatralisch-musikalische Bühnenfassung aus den individuellen Zugängen und den kreativen Beiträgen der Künstler und Künstlerinnen zum Thema Tschernobyl erarbeitet. Ein Dialog der Künste Schauspiel, Musik, Gesang, Pantomime, Licht und Video entsteht, er bildet das lebendige Ausdrucksgeschehen der Stimmen aus Tschernobyl.
Für die Aufführungen hat die Regisseurin sich für das ehemaligen Frauengefängnis Lichterfelde entschieden. Vorplatz, Lichthof, Gänge, Zellen und Kapelle des Gefängnisses werden durch die Inszenierung bespielt. Durch die raumspezifische künstlerische Arbeit im ehemaligen Knast betonen die Stimmen aus Tschernobyl jene Dialektik der Entschleierung des „friedlichen“ Atoms und seiner Entfesselung als atomares Höllenfeuer sowie einer Wissenschaft und Gesellschaft, die die Wahrheit über Tschernobyl bis heute gefangen halten. In ihrer Regiearbeit legt die 1963 in Breslau geborene Elzbieta Bednarska Wert auf die Einheit von Wort und Bewegung. Sie ist überzeugt, „dass die Phantasie des Schauspielers diese Einheit von Bewegung und Sprechen auf der Bühne hervorbringt. Der Probenprozess besteht in der Aktivierung der Phantasiekräfte der Schauspieler.“
Spieltermine: 13. Januar (Premiere), 14. + 15., 20. – 22. Januar 2017 jeweils 19 Uhr im Ehemaligen Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde, Söthstr. 7.
Kartenbestellung unter: stimmenaustschernobyl@gmail.com oder: 0151 71977109
Das Foto von Roger Rossell zeigt Richard Schnell in „Tschernobyl. Chronik der Zukunft“