PRESSESPIEGEL


„NACHTASYL“ VON MAXIM GORKI

Der General-Anzeiger schreibt: Eine Aufführung, die unter die Haut geht

ALFTER. Maxim Gorkis „Nachtasyl“ feiert am Hoftheater der Alfterer Alanus Hochschule Premiere. Das Stück Hat auch nach mehr als 100 Jahren kaum an Aktualität eingebüßt.

Von Stefan Hermes, 09.03.2017

„Man merkt, dass die Figuren, die Maxim Gorki geschrieben hat, aus dem wahren Leben kommen“, sagt Christina Schelhas, die Regisseurin von Maxim Gorkis „Nachtasyl“, das an diesem Donnerstag im Hoftheater der Alfterer Alanus Hochschule auf dem Johannishof Premiere feiert.

„In Zeiten von Hartz IV und den derzeitigen Flüchtlingsströmen befindet sich Europa in einer dramatischen Entwicklung – ähnlich wie das Russland im 19. Jahrhundert vor der Revolution. Die Schere zwischen Armund Reich klafft immer weiter auseinander“, ist in dem Ankündigungstext zu dem Stück zu lesen, das auch nach mehr als 100 Jahren kaum an Aktualität eingebüßt hat.

Mit der Frage, wo der Mensch am unteren Ende der Gesellschaft noch seinen Platz finden kann, haben sich die Schauspielschüler unter anderem im Bonner Loch auseinandergesetzt – durch Beobachtungen und Gespräche. Dort sind auch 115 Jahre nach der Erstaufführung von „Nachtasyl“ die Menschen anzutreffen, die Gorki dem anderen Teil der Gesellschaft auf der Bühne zeigt.

Deren Suche nach einem Sinn im Leben, das vergeudet zu sein scheint und nur mit Alkoholexzessen wieder spürbar wird, verhindert jede Form von Beziehung, nach der sich jedoch alle sehnen. Armut und die Aussichtslosigkeit, ihr zu entkommen, führt sie in katastrophale Zustände oder sogar in den Tod.

Zehn offene Würfel bilden das karge Bühnenbild, das in einer Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden von Romy Rexheuser und Katharina Quandt gestaltet wurde und mehr als zwei Stunden in unterschiedlichen Formationen die Spielfläche für das russische Elendsquartier gibt. Obwohl die Figuren auch für das heutige Theater kaum lebensnaher hätten entworfen sein können, gibt es zeitbezogene Adaptierungen des Textes.

Die darstellerische Qualität der noch vor dem Anfang ihres Berufslebens stehenden Schauspieler geht unter die Haut. Dass Anton Becker, Dimitrij Breuer, Lena Ehmer, Sina Große-Beck, Alessandro Grossi, Christian Haupt, David-Joshua Meißner, Asya Pritchard, Nina Alena Ruhz, Maria Shafit und Emanuel Weber erst in einem Jahr ihre Ausbildung an der Alanus Hochschule abschließen werden, muss man hinzufügen, da es während der Aufführung nicht sichtbar wird.

„Nachtasyl“ von Maxim Gorki hat an diesem Donnerstag Premiere im Hoftheater der Alanus Hochschule, Campus I (Johannishof) in Alfter. Weitere Termine sind am 10., 11., 21. und 22. März. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet zwölf Euro, ermäßigt sechs Euro.

Bilder: Tobias Papel


HOFTHEATER ALFTER: ERFOLGREICHER EINSTAND DER „ERSTIES“

Die zwölf Erstsemester im Fachbereich Schauspiel der Alanus Hochschule gaben am vergangenen Donnerstag einen tollen Einstand vor rund 120 Zuschauern im Hoftheater am Johannishof in Alfter. Stefan Hermes schrieb in der Samstag-Ausgabe des Bonner General-Anzeigers:
„Um es vorwegzunehmen, sie (die Zuschauer) waren begeistert, lachten, amüsierten sich und sparten nicht mit Applaus. Vielleicht konnten viele von ihnen nachempfinden, wie es ist, zum ersten Mal alleine im Lichtkegel des Scheinwerfers auf der Bühne zu stehen. Eine großartige und für die Akteure beflügelnde Atmosphäre. Constantin Elias Konradi, Christina Wouters, Larissa Ruppert, Oktay Önder, Leona Holzki, Nima Bazrafkan, Lukas Metzinger, Florian Hausen, Nele Thomalla, Sulamith Aimée Hartmann, Magali Vogel und Tim Wilfer konnten einen Abend lang das Gefühl genießen, Schauspieler zu sein.
Vor ihnen liegt noch ein langer Weg, der sie von der uninszenierten Selbstdarstellung zur Verkörperung einer Figur bringen wird. Die vier Jahre Schauspielunterricht werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Was jetzt noch in der Aneinanderreihung von Einzelnummern zwischen Castingshow und Poetry-Slam angesiedelt war, konnte gut unterhalten. Und es wäre falsch, die Anfänger mit den Profis zu vergleichen, die sie alle einmal werden. So hat der Abend allen Spaß gemacht. Aber jetzt wird es ernst“.

Foto: Bonner General-Anzeiger

ABSOLVENTENVORSPRECHEN 2016 DES VIERTEN JAHRGANGS DER ALANUS HOCHSCHULE – WERKSTATT BÜHNE THEATER BONN

Thomas Kölsch schreibt: Alanus-Absolventen – Schaulaufen für Schauspieler

Ein guter Eindruck zählt. Jetzt alles richtig machen, und mit etwas Glück ist das erste Engagement einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Auf der Werkstatt-Bühne des Theater Bonn geht es für sieben Schauspiel-Absolventen der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft um nicht weniger als ihre Zukunft: Mit Liedern, Monologen und kurzen Zweier-Szenen stellen sie sich der Öffentlichkeit und vor allem den Theaterleitern und Agenturen vor, präsentieren sich und ihre Kunst und hoffen, das Interesse von jenen zu wecken, die in Zukunft als Arbeitgeber in Frage kommen. Keine leichte Aufgabe – aber eine, die die Jungschauspieler mit Bravour meistern.
Natürlich kann jeder der sieben Akteure nur einen kleinen Einblick in sein Repertoire geben, kann sich nur bis zu einem gewissen Grad wandlungsfähig zeigen. Einen Eindruck hinterlassen sie allerdings schon. Vor allem Dimitrij Breuer: Er wagt sich kurzerhand an die Rolle Adolf Hitlers in George Taboris Groteske „Mein Kampf“ heran und spielt auf der Klaviatur der Dynamik so meisterhaft, dass Gelächter und Mitleid gleichermaßen im Publikum zu spüren sind. Ebenso überzeugend erweist er sich etwa als Jacques-Brel-Interpret mit gefühlvollem Sprechgesang. Stark auch Esra Kreder, die in einem Monolog aus Urs Widmers „Top Dogs“ geschickt die Waffen einer Frau sprechen lässt und wie eine Raubkatze die Szenerie dominiert; um so größer und um so effektiver erweist sich dann die Offenbarung ihres Scheiterns in einer von Männern dominierten Welt, die mit einer selbstbewussten Vertreterin des anderen Geschlechts so ihre Probleme haben. Toll – und dann diese fantastische Alt-Stimme, mit der sie später „Freitag im Hotel“ von Rainer Werner Fassbinder singt…

Auch die anderen Schauspieler sollten genannt werden: Cem Öktas nimmt sich unter anderem einen Monolog aus Gogols „Der Revisor“ vor, Yasmin Münter versucht sich an Shakespeares Julia, Olja Artes an der Prinzessin Eboli aus „Don Karlos“, und Lean Fargel am Prinzen von Homburg. Für die amüsantesten Momente des Nachmittags sorgt allerdings Thomas Hospes, der sich offenbar auf Rollen mit satirische Überzeichnung spezialisiert hat, diese aber mit viel Verve spielt und genau die richtige Balance zwischen absurder Komik und hintersinniger Tragik schafft. Kein Zweifel, der Abschlussjahrgang 2017 der Alanus-Hochschule hat so einige Talente zu bieten. Jetzt liegt es an den Theatern, dieses auch abzurufen und den Absolventen eine Chance zu geben. Verdient hätten sie diese.


WIE EIN FEST AM HOF DES THESEUS

Der General – Anzeiger schreibt: 22.06.2016 BEUEL. Der Heimatverein, die Brotfabrik und die Alanus Hochschule Alfter inszenieren den Sommernachtstraum von William Shakespeare. Als Bühne musste das Heimatmuseum ersatzweise einspringen.

„So widersprüchlich, wie es sich zunächst anhört, ist es gar nicht: Sowohl als Soldat als auch als Schauspieler braucht man viel Disziplin“, findet Christian Haupt. Der 27-jährige ehemalige Zeitsoldat wird ab kommendem Dienstag als Theseus auf der Bühne im Innenhof des Beueler Heimatmuseums stehen.

Die insgesamt zehn Aufführungen sind in jeder Hinsicht eine Premiere: „Zum ersten Mal werden wir den Innenhof unseres Museums als Freilichtbühne für eine Theatervorstellung nutzen“, erläuterte der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Volker Engel bei der Vorstellung des Projekts am Dienstagmorgen. Und auch die Zusammenarbeit hat es in dieser Form noch nicht gegeben: Die Brotfa-brik sorgt für die Technik und Organisationsleitung, der Heimatverein für den Aufführungsort und die Darbietung des Shakespeare–Klassikers übernehmen Schauspielstudenten des zweiten Studienjahres der Alanus Hochschule Alfter.

„Die Premiere ist zugleich auch die Vordiplomprüfung“, erläuterte Regisseur René Harder. Um den Fachgebietsleiter und Professor für Schauspiel hat sich eine hochkarätige Gruppe formiert, um gemeinsam mit den Studenten Shakespeares Meisterwerk zu interpretieren: Mit dabei sind die Kölner Choreografin Ilona Pasthy, der musikalische Leiter Dominik Schiefner, der zuletzt den erfolgreichen Volxlieder-Abend „Singen ums Verrecken“ auf die Bühne gebracht hat sowie der langjährige Stuntkoordinator der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg Steve Szigety. Claus Overkamp, Leiter des mehrfach prämierten Theaters Marabu, übernimmt die dramaturgische Arbeit und Hedda Ladwig, die bereits für zahlreiche Theater der Region, unter anderem das Schauspiel und die Oper Köln, gearbeitet hat, ist zuständig für Kostüme und Bühne. Was macht mehr Spaß, als andere leiden zu sehen? Im Theater nichts, findet die Truppe. Vor allem, wenn es sich um eine Komödie handelt.

Die Bonner Inszenierung interpretiert den Klassiker von William Shakespeare wie ein Fest am Hofe des Theseus: Die turbulente Geschichte ist hier nicht reines Sprechtheater, es wird, wie es sich für eine Feier gehört, auch getanzt und gesungen. Da passt der Spielort perfekt: Der recht enge Innenhof des Museums biete mit seiner gleichzeitigen Offenheit zur Nachbarschaft eine große Nähe zu den originalen Spielbedingungen der Shakespearezeit, finden die Veranstalter. „Das war eigentlich Glück im Unglück“, meint Brotfabrik-Chef Jürgen Becker. „Da wir nicht – wie ursprünglich geplant – auf dem Gelände der Ermekeilkaserne spielen konnten, waren wir umso erfreuter, dass die kurzfristig gefundene Ausweichspielstätte so gut passt.“

Und mit der Beschränkung der Zuschauerzahl auf etwa 70 Plätze pro Vorstellung könne man leben, sind sich Becker und Engel einig. Obwohl es sich um eine Prüfung handelt, wirken die Schauspielstudenten kaum nervös: „Ein bisschen Anspannung ist aber ganz normal – man versucht ja schließlich auf der Bühne immer sein Bestes zu geben“, denkt Alessandro Grossi. Der 20-Jährige ist gleich in einer Doppelrolle zu sehen: Mit einem Bart verwandelt er sich blitzschnell von der Hermia in deren Vater Egeus. „Ich kenne solche Parental-Konflikte teilweise aus meiner eigenen Familie“, so der junge Mann. (Leif Kubik)

Foto: Bonner General-Anzeiger